Unser Vorgehen
Beispiel Kinderspital und Frauenklinik Kantonsspital Luzern
Kinderspital Zentralschweiz und Frauenklinik | Luzerner Kantonsspital | Eröffnung Ende 2026 | 5 Etagen | Gesamtbaukosten 258 Mio.
Wie arbeitet Studio für Kunst, Architektur und Design? Diese Seite beschreibt unser Vorgehen anhand eines konkreten Projekts: dem Neubau des Kinderspitals Zentralschweiz und der Frauenklinik am Luzerner Kantonsspital. Das Projekt steht exemplarisch für eine Arbeitsweise, die wir über viele Jahre in komplexen institutionellen Kontexten entwickelt haben.
Evidenz und Erfahrung als Grundlage
Wir arbeiten auf einer evidenzbasierten Grundlage und verbinden diese mit langjähriger Erfahrung in klinischen Umgebungen. Was Kunst im Gesundheitsumfeld leistet — oder nicht leistet —, ist mittlerweile gut erforscht.1 2 Wir nehmen diese Forschung ernst, ohne sie zur Schablone zu machen: Sie informiert unsere Entscheidungen, ersetzt aber nicht das kontextspezifische Urteilen am konkreten Ort.
Architektur als Bühne, Kunst als bewegliche Ebene
Ein Bild, das unser Denken präzise beschreibt: Architektur ist die Bühne — die langfristige, unveränderte Grundstruktur eines Gebäudes. Der Klinikalltag ist das Stück, das täglich darauf gespielt wird. Dazwischen liegt das Bühnenbild — eine Ebene, die das Geschehen rahmt, gestaltet und veränderbar bleibt.
Genau hier positionieren wir Kunst. Nicht als starres Element, das zur Eröffnung eingebaut wird und zwanzig Jahre unverändert bleibt. Sondern als bewegliche Ebene, die auf den Betrieb reagieren kann — räumlich, zeitlich, inhaltlich. Massstab für Qualität ist nicht der Eröffnungstag, sondern der Betrieb Jahr für Jahr.2
Partizipation mit klarer Führung
Unsere Prozesse sind partizipativ — aber nicht grenzenlos offen. Wir definieren von Beginn an, wer zu welchem Zeitpunkt wie einbezogen wird und wo Rückmeldungen tatsächlich einfliessen können. Das betrifft Mitarbeitende aus Pflege, Therapie und Betrieb ebenso wie Klinikleitungen, Chefärzt:innen, Bauherrschaft und Architektur.
Diese Klarheit ist kein bürokratisches Mittel, sondern eine Voraussetzung für Akzeptanz. Wer weiss, warum Entscheidungen getroffen werden und wo die eigene Stimme zählt, trägt das Ergebnis mit.1 3
Parameter setzen, Freiraum ermöglichen
Bevor ein künstlerischer Prozess beginnt, definieren wir Parameter: Ort, Nutzung, Hygieneanforderungen, Massstab, Material, Technik, Kommunikationsebene. Diese Klarheit ist keine Einschränkung — sie ist die Bedingung, unter der echter künstlerischer Freiraum entstehen kann. Wenn die Parameter stimmen und die richtigen Künstler:innen gewählt sind, kann man dem Prozess vertrauen und sich bewusst überraschen lassen.1
Werkbibliotheken als Instrument
Ein zentrales Werkzeug unserer Praxis ist die Werkbibliothek. Künstler:innen entwickeln Serien, Motive oder Bildwelten, die je nach Ort und Anforderung in unterschiedlichen Medien umgesetzt werden können — als Wandarbeit, Folienprint, Objekt, Druck oder Installation. Das verbindet künstlerische Qualität mit hoher Alltagstauglichkeit: Einzelne Elemente können repariert, ersetzt oder angepasst werden, ohne das Gesamtkonzept zu gefährden. Effizienz und Integrität schliessen sich dabei nicht aus.
Differenzierung als Gestaltungsprinzip
In einem grossen Haus mit unterschiedlichen Bereichen, Nutzungen und Zielgruppen braucht es kein uniformes Kunstkonzept, sondern ein differenziertes. Wir setzen bewusst auf verschiedenen Ebenen an: ruhige und aktive Bildsprachen, gegenständliche und abstrakte Werke, direkte und narrative Kommunikation, unterschiedliche Medien und Materialien. Die einzelnen Arbeiten ergänzen sich oder grenzen sich klar voneinander ab — so entsteht ein lesbares Gesamtgefüge, das unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigt, ohne beliebig zu werden.
Langfristigkeit als Haltung
Für uns gibt es keine fertige Kunst zur Eröffnung. Was zur Eröffnung steht, ist ein Ausgangszustand — nicht ein Abschluss. Entscheidend ist die Fähigkeit, über die Zeit zu reagieren: zu ergänzen, zu verändern, auszutauschen, weiterzuentwickeln. Forschung und Praxis zeigen übereinstimmend, dass Wirkung dort entsteht, wo Qualität, Kontext und Kontinuität zusammenkommen.1 2 Langfristige Betreuung ist deshalb kein Zusatzangebot, sondern integraler Bestandteil jedes Konzepts, das wir entwickeln.
Quellenverzeichnis
1 | World Health Organization (WHO). What is the evidence on the role of the arts in improving health and well-being? A scoping review. WHO Regional Office for Europe, Kopenhagen, 2019.
2 | Ulrich, R. S., Zimring, C., Zhu, X., DuBose, J., Seo, H.-B., Choi, Y.-S., Quan, X., Joseph, A. A review of the research literature on evidence-based healthcare design. Health Environments Research & Design Journal (HERD), 1(3), 61–125, 2008.
3 | The Center for Health Design. A Guide to Evidence-Based Art. Concord CA, 2008.
Visualisierung Illustrationsprojekt in Zusammenarbeit mit Comic Festival Fumetto Luzern | Illustratorinnen: Samira Belorf, Anja Wicki, Rina Jost