Unsere Vorgehensweise
Beispiel Kinderspital und Frauenklinik Kantonsspital Luzern
Kinderspital Zentralschweiz und Frauenklinik | Luzerner Kantonsspital | Eröffnung 2026 | 5 Etagen | Gesamtbaukosten 258 Mio.
Grundlage: Evidenz + Erfahrung
Wir arbeiten auf einer evidenzbasierten Grundlage und verbinden diese mit langjähriger praktischer Erfahrung in komplexen klinischen Umgebungen. Ziel ist Kunst, die Wohlbefinden unterstützt, Orientierung stärkt und im Klinikalltag langfristig funktioniert. 1 2 4
Architektur als Bühne, Kunst als veränderbares System
Wir verstehen die Architektur als langfristige Grundstruktur («Bühne»). Den Klinikalltag kann man sich dabei sinnbildlich auf der Ebene des Theaterstückes denken. Dazwischen befinden sich verschiedene Elemente, die das Bühnenbild bilden und mittelfristig veränderbar sind. Kunst positionieren wir genau hier: bewusst nicht als starres Element, sondern als bewegliche Ebene, die zwischen «Bühne» und «Alltag» wirkt.
Das ermöglicht:
- räumliche und zeitliche Beweglichkeit
- Reaktion auf den Klinikalltag
- Anpassung, Ergänzung, Austausch über die Jahre
Der Massstab ist nicht ein Eröffnungszeitpunkt, sondern der Betrieb – Jahr für Jahr. 2
Partizipation: mehrstufig, klar geführt
Unsere Prozesse sind partizipativ und mehrstufig – mit klar definierten Mitwirkungsfenstern. Dabei werden u. a. einbezogen:
- Mitarbeitende (Pflege, Therapie, Betrieb)
- Klinikleitungen, Pflegedienstleitungen
- Chefärzt:innen
- Bauherrschaft, Architektur, Innenarchitektur
Alle Beteiligten wissen, warum Entscheidungen getroffen werden und wo Rückmeldungen einfliessen können. Das schafft Transparenz, Akzeptanz und Identifikation.1 4
Parameter setzen, Freiraum ermöglichen
Wir definieren zuerst Parameter (Ort, Nutzung, Technik, Hygiene, Massstab, Material, Kommunikation).
Diese Klarheit schafft den Rahmen, in dem ein freier künstlerischer Prozess stattfinden kann – zeitlich und inhaltlich.
Wenn die Parameter stimmen und die passenden Künstler:innen gewählt sind, kann man dem Prozess vertrauen – und sich bewusst überraschen lassen.1
Professionelle Kunst, klinikspezifisch umgesetzt
Wir arbeiten mit professionellen Künstlerinnen und Künstlern. Die Arbeiten werden so entwickelt, dass sie in der Ausführung/Nutzung auf die Klinik zugeschnitten sind – keine Originale im klassischen Sinn, sondern künstlerische Lösungen mit hoher Qualität und hoher Alltagstauglichkeit.
Werkbibliotheken sind dafür ein zentrales Instrument:
- Künstler:innen entwickeln Serien / Motive / Bildwelten
- diese können je nach Ort in unterschiedlichen Medien umgesetzt werden
(z. B. Folie, Wandarbeit, Objekt, Druck, Installation)
Vorteile:
- künstlerische Qualität + Flexibilität
- effizienter Ressourceneinsatz
- Reparatur, Ersatz oder Anpassung sind unkompliziert und kostengünstig
Mehrere Ebenen, klare Differenzierung
Wir setzen bewusst auf verschiedenen Ebenen an. Arbeiten ergänzen sich – oder grenzen sich klar ab – durch:
- Bildsprache / Tonalität
- Formalität (ruhig vs. aktiv)
- Medium (Illustration, Objekt, Fotografie, Installation …)
- Technik und Material
- Kommunikationsebene (direkt, narrativ, abstrakt, spielerisch)
So entsteht ein vielschichtiges, gut lesbares Gesamtgefüge, das unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigt.
Langfristigkeit: Pflege, Anpassung, Weiterentwicklung
Für uns gibt es keine «fertige» Kunst zur Eröffnung, die dann unverändert bleibt.
Entscheidend ist der Klinikalltag – und die Fähigkeit, über die Zeit zu reagieren:
- ergänzen
- verändern
- austauschen
- erweitern
Langfristige Betreuung und Weiterentwicklung sind Teil des Konzepts und entsprechen auch der Forschungslage: Wirkung entsteht besonders dort, wo Qualität, Kontext und Kontinuität zusammenkommen.1 2 4
Quellen
¹ World Health Organization (WHO). What is the evidence on the role of the arts in improving health and well-being? A scoping review. WHO Regional Office for Europe, 2019.
² Ulrich, R. S., Zimring, C., Zhu, X. et al. A review of the research literature on evidence-based healthcare design. HERD, 2008.
³ Ulrich, R. S. View through a window may influence recovery from surgery. Science, 1984.
⁴ The Center for Health Design. A Guide to Evidence-Based Art. 2008.
⁵ Huisman, E. R. C. M., Morales, E., van Hoof, J., Kort, H. S. M. Healing environment: A review of the impact of physical environmental factors on users. Building and Environment, 2012.
⁶ Nanda, U., Eisen, S., Zadeh, R., Owen, D. Effect of visual art on patient anxiety and agitation in a mental health facility. HERD, 2011.